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12 November 2016

Meine Erfahrungen mit dem Raspberry Pi 3 als ADS-B Bodenstation

Ich habe schon das ein oder andere mal den PC die ganze Nacht durchlaufen lassen, nur um Flüge und Flugzeuge zu Tracken (Verfolgen). Als ich mir dann aber mal ausgerechnet habe, was das im Jahr an Kosten verursacht, habe ich es mir schnell wieder abgewöhnt. Schon vorher habe ich immer wieder in den Flightaware Listen von “PiAware” gelesen. Mir war wohl bewusst das es eine Art kleiner PC ist, in meinen Augen war das aber nur etwas für Freaks. Ich weiß nicht mehr genau was es ausgelöst hat, aber am vergangenen Wochenende habe ich bei Amazon mal nach dem Raspberry Pi gesucht und war dann doch verblüfft über den Preis. Ich habe mich dann letztlich für dieses Komplettpaket entschieden. 2 Tage später habe ich dann sogar noch ein ct-Sonderheft zu genau diesem Thema entdeck und es gleich mitgenommen. Wie man sieht hätte ich rund 10 Euro sparen können wenn ich von dem Angebot vorher gewusst hätte. 59€ für einen Mini-PC, da kann man nicht viel falsch machen. Wenn also jemand nach dem Lesen dieses Beitrags auf den Geschmack gekommen sein sollte, ist das quasi der Ideale Einstieg. Direkt am Montag ist mein Pi 3 angekommen und dann ging es gleich los. Das Kreditkartengroße Teil an den Fernseher angeschlossen und losgelegt. Bei meinem Set war auf der SD-Karte schon NOOBS installiert und damit war die Installation ein Kinderspiel. Wenn ich überlege was ich manchmal bei Windowsrechnern für Probleme hatte mit einrichten von WLAN usw., dagegen war der Pi ein Traum. Nach der Installation des Betriebssystems musste aber natürlich noch alles für den Empfang der ADS-B Daten installiert werden. Da ich den Pi am Wochenende bestellt hatte, er aber ja erst am Montag geliefert wurde, habe ich die Zeit genützt und geschaut wie ich das Ziel (Empfang und Teilen von ADS-B Daten) bewerkstellige. Beide Seiten (Flightradar24 und Flightaware) haben sehr lebhafte Diskussionsforen in denen man zu fast allen Problemen Hilfe findet. So bin ich im Flightradar24 Forum auf eine Diskussion mit dem Titel “Automated Installation of Dump1090-Mutability, Data Feeders, and Performance Graphs” gestoßen. Das klang sehr vielversprechend und was soll ich sagen, es funktionierte genau wie beschrieben. Nach etwa einer Stunde Installation war es geschafft. Der DVB-T Stick mit der Antenne hat munter seine Daten mit verschiedenen Seiten geteilt. Bei der Installation gibt es einige Entscheidungen die man treffen muss. Zum Beispiel ob man für den Empfang der Daten eine spezielle Version von Dump1090 von Flightaware nutzt oder eine “universellere”. Genauso ob die empfangenen Daten in einer Datenbank gespeichert werden sollen oder nur für eine bestimmte Anzahl von Tagen in einer xml Datei. Von der Datenbank wird abgeraten, wenn man das ganze von der SD Karte laufen lässt. Denn die Datenbank sorgt für viele Schreibzugriffe auf der SD Karte und das scheint ein sicherer Weg zu sein, diese auf absehbare Zeit ins Jenseits zu befördern. Also habe ich mich für die Dump1090-Mutability entschieden und der Grund dafür kann man schon am Namen erkennen Mutability=Wandlungsfähigkeit. Und ich habe mich gegen die Advanced Installation entschieden, eben aus den Speicherkarten Gründen. Nachdem dann alles installiert war, gab es aber natürlich immer wieder Dinge die man verändern / verbessern wollte. Der Standort der Antenne (im Wohnzimmer) hat mir nicht gefallen. Also auf den Dachboden und die Antenne direkt unter das Dach gestellt. War aber nicht besser, vermutlich schirmt die Isolation Zwischen Dachpfannen und Dachboden zu sehr ab. Also weiter überlegt. Vor dem Küchenfenster ist ein Vordach, das wäre ja eine Möglichkeit. Und mit der Antenne und den 4m Kabel auch machbar. Gesagt getan. Als Ständer diente ein altes Fotostativ auf dem ich ein Lochblech mit doppelseitigem Klebeband befestigt hatte. Okay, das Klebeband war nicht der Weisheit letzter Schluss, hat aber immerhin 1 Tag gehalten Zwinkerndes Smiley. Hab dann hin und her überlegt und mir viel ein, das ich mehrere Lampenstative habe. Eins aus dem Keller geholt, Lochplatte darauf festgeschraubt und fertig ist der Antennenhalter. Bis jetzt hat er sich auch bewährt.
Als das Standortproblem befriedigend gelöst war, tauchten schon wieder neue Wünsche am Horizont auf. Wie wäre es wenn ich die Daten auch auf meinem Windows PC empfangen kann, oder aber auch vom Handy. Wie richte ich Planeplotter ein oder Virtual Radar. Ich kann nur sagen das ich für alle diese Probleme Lösungen gefunden habe. Es gibt (fast) nichts was nicht irgendwie zu bewerkstelligen ist. Klar gab es manches Problem das dann auch schon mal einen halben Tag zur Lösung gebraucht hat. So zum Beispiel warum Virtual Radar meine Fritz Box nicht als UPnP fähig erkennt (Stichwort privates Netzwerk / öffentliches Netzwerk und Windows 10) oder warum in Virtual Radar die Betreiberlogos nicht angezeigt werden (nicht unter Flags Folder angegeben). Und schon nach 2-3 Tagen gab es dann den Wunsch doch vielleicht die “Advanced” Version zu nutzen. Voraussetzung dafür ist aber das der Pi statt SD-Karte eine Festplatte nutzt. Auch dafür wurde ich wieder fündig, diesmal im Forum von Flightaware. Unter dem Titel “ Running Raspbian from a USB hard drive. “ habe ich eine klasse Erklärung gefunden. Der erste Neustart hat dann schon ein paar Schweißperlen erzeugt, aber es hat funktioniert. Danach wollte ich dann das Webportal des ADSB-Receiver Skripts dazu bringen, das es in der “Advanced” Version läuft, also die Flüge in einer Datenbank speichert. Das war eine echte Hürde, denn beim erneuten Aufrufen der install.sh wurde die Option mit den Datenbanken nicht wieder angeboten. Nach langem Suchen habe ich dann eine Lösung gefunden mit der es dann funktioniert hat. Man musste eigentlich nur ein paar Dateien an bestimmter Stelle Löschen.
#First emptied html folder
sudo rm -rf /var/www/html/*

#Now run the installation script
cd ~/adsb-receiver
./install.sh

Danach hat das loggen zwar noch immer nicht funktioniert, aber mit ein wenig fluchen, basteln und lesen habe ich auch dann das zum laufen bekommen.

Fazit:
Wer Spaß am „Basteln“ „probieren“ und „Try and Error“ hat, der ist bei dem Raspberry genau richtig. Es gibt eigentlich für alles eine Lösung und definitiv viele, sehr freundliche Helfer. Wer aber ein fertiges System haben will, wo es im Zweifel ein wenig nach „Friss oder Stirb“ geht, der sollte bei Windows bleiben. Es ist, ich denke generell bei Linux, nicht immer der direkte Weg der zum Ziel führt.
Ich persönlich finde es toll selber die Daten zu haben und zu teilen. Letztlich sieht man da halt auch mehr, wie zum Beispiel Luftbetankungen oder Eurofighter. Oder anderes gesagt, ich habe bei jedem Flugzeug von dem ich Daten Empfange, ein kleines Grinsen im Gesicht. Es ist sehr cool nicht nur zu konsumieren sondern beizutragen. Das sehen zumindest Flightaware und Flightradar24 wohl ähnlich, bei beiden bekommt man, für das einspeisen der Daten, einen Business / Enterprise Account gratis. Im Fall des Business Account von Flightradar24 ist das ein Wert von 499$.

 

1 comment to Meine Erfahrungen mit dem Raspberry Pi 3 als ADS-B Bodenstation

  • Holger Wittenberg

    Perfekt beschrieben. Macht schon Spaß mit dem kleinen Pi.
    Jetzt nur noch alle paar Monate ein update vom Raspberry und den Programmen machen.

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