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24 Februar 2017

Eine Premiere in Nordholz

Ich bin mir relativ das es sich bei der Landung der Kodiak 100 am heutigen Freitag um die erste Landung dieses Musters in Nordholz gehandelt hat. Ganz sicher bin ich mir das ich zum ersten mal eine Kodiak fotografiert habe. Ein Kumpel hatte mich per WhatsApp darüber informiert, das die GA-8 Airvan der OFD in Nordholz gelandet sei. Da ich auch von dieser Maschine auch noch nicht wirklich viele Fotos gemacht habe, entschloss ich mich mein Mittagessen beim “Amerikaner” etwas abzukürzen. Als ich in Nordholz angekommen bin, war Eile geboten. Die Maschine stand schon mit laufendem Triebwerk, abflugbereit auf der Abstellfläche des Zivilflugplatz. Zum Glück reichte die Zeit noch um bis zum Zaun zu laufen und einige Aufnahmen zu machen. Schon da hatte ich den Eindruck das es wohl keine Airvan ist und das Kennzeichen N500QK verstärkte diesen noch. Die Lackierung würde hingegen auch zur OFD passen.

Quest Aircraft

Diese Firma wie auch das Flugzeug selbst weisen verschiedene Besonderheiten auf. Angefangen hat die Kodiak als Packer Spirit 100 in den späten 1990. Tom Hamilton, welcher die Firma Stoddard-Hamilton Aircraft gründete und für die Glasair verantwortlich zeichnete, leitete ein Treffen mit diversen christlichen gemeinnützigen Flugunternehmen. Bei diesem Treffen fragte Hamilton die Vertreter der Unternehmen was ein zukünftiges Flugzeug können müsste. Als das Meeting beendet was hatte Hamilton 8 Ziele formuliert, die das neue Flugzeug erfüllen sollte.

  1. komplette Aluminium Konstruktion um Reparaturen im “Feld” zu erleichtern. Außerdem doppelte Nutzlast und Volumen der Cessna 206 Skywagon
  2. Möglichkeit einen externen Frachtbehälter am Rumpf anzubringen (wie bei der Cessna Caravan)
  3. Als Antrieb eine Turbine die Jet-A Kerosin verwendet (in entlegenen Gebieten ist es teils schwer Avgas zu bekommen und entsprechend sind die Preise)
  4. 10 Sitzplätze um das Flugzeug auch außerhalb der “Mission Aviation” einsetzbar zu machen
  5. Spannweite von <= 13,72m um die gleichen Landebahnen wie die Cessna 206 nutzen zu können.
  6. Belastung pro Rad nicht größer als die der Cessna 206
  7. Bugradsteuerung
  8. außergewöhnlich gutmütige Langsamflugeigenschaften

Um dann tatsächlich dieses Flugzeug entwickeln,testen und zulassen zu können wurde natürlich Geld benötigt. Dieses kam von vielen späteren Betreibern (christlichen, humanitären Non-Profit Gesellschaften) der Maschine. Als Ausgleich bekommen die Gesellschaften die die Entwicklung der Kodiak 100 finanziert haben, drastisch reduzierte Maschinen. Das läuft in der Praxis so, das jede 10. Maschine durch die 9 anderen, zum Normalpreis verkauften, finanziert wird.
Inzwischen hat Quest Aircraft über 250 Mitarbeiter und hat im Dezember 2016 die 200ste Maschine ausgeliefert.
Im Februar 2015 wurde die Übernahme von Quest Aircraft durch die Japanische Setouchi Holdings Inc. bekanntgegeben.

 

Kodiak 100

Die Kodiak 100 ist in herkömmlicher Aluminiumbauweise hergestellt. Die zukünftigen Betreiber sagten Hamilton das Karbon,Glasfaser und ähnliches zu schwer zu reparieren sind, wenn man irgendwo im Niemandsland ist. Hoch beanspruchte Bauteile wurden mittels CNC komplett aus Aluminumblöcken gefräßt. Alles Steuerflächen werden über Seilzüge oder Gestänge angesteuert. Die Landeklappen sind elektrisch angetrieben und haben die Stellungen 0° / 10° / 20° / 35° . Der gesamte Treibstoff ist zwischen den vorderen und hinteren Holmen untergebracht. Die Unterbringung hinter dem Holm soll dafür sorgen das bei Beschädigungen der Flügelvorderkante keine Treibstofflecks auftreten. Optional gibt es größere Räder oder auch Schwimmer für das Flugzeug. Ein weiteres Feature der Maschine ist, das es am Außen Flügel einen festen Vorflügel gibt. Das sorgt dafür das die Strömung erst innen am Flügel abreißt und die Maschine so auch im Stall noch Steuerbar bleibt. Außerdem wurde die PT6A-34 Turbine von Pratt & Whitney Canada ausgewählt, da diese sich im laufe der Jahre als extrem zuverlässig gezeigt hat. Das gleiche Modell wird zum Beispiel in der Twin Otter, PC-6, PC-7, King Air, Piaggio Avanti und PC-12 eingesetzt, um nur einige zu nennen.
Die Maschine besitzt bei einer Geschwindigkeit von 135kts eine Reichweite von 1132NM. Das ist von Nordholz bis Moskau, Island, Istanbul, Algier oder Madrid. Die Startrollstrecke beträgt 285m und die Landestrecke 215m. Die Maximale Ausdauer der Maschine wird vom Hersteller mit 9,9 Stunden angegeben, bei einem Verbrauch von 106L/Stunde. Wohl auch ein Grund das man sich mit Northrop Grumman zusammen getan hat um ein Special Mission Aircraft(pdf) anzubieten. Dieses läuft unter dem Namen “Tiger Claw”. Wäre vermutlich mit diesen Parametern auch bestens geeignet um damit nach Helgoland zu fliegen, zumindest bietet das Flugzeug die gleiche Anzahl an Sitzplätzen.
Wenn man das Leistungsgewicht der Maschine anschaut, etwa 4 kg muss jedes PS in Bewegung setzten, dann ist das quasi eine Do 27 mit 10 Plätzen.
Oder wie ich in einem Artikel gelesen habe, “eine Cessna 206 auf Steroiden”. Die Steigrate der Maschine beträgt bei voller Zuladung 396m/s. Wie man in diesem Bild von Kev Gregory, welches auch die N500QK zeigt, sehen kann, hat die Kodiak 100 ein recht modernes Cockpit, das Garmin 1000 gehört zur Serienausstattung.

Besuch in Nordholz

Warum die Maschine letztlich in Nordholz war, ist mir nicht bekannt. Aber bei meinen Recherchen habe ich zumindest herausgefunden, das die Firma welche für den Europavertrieb zuständig ist, die gleiche ist die auch den Honda Jet in Europa betreut. RAS oder ausgeschrieben Rheinland Air Service. Da denke ich mir dann, das es wohl kein Zufall war, das diese Maschine in Nordholz war. Da bekanntermaßen ja die neue Luftfahrtgesellschaft Privateways der erste Nutzer des Honda Jet in Europa werden soll. Und die in Nordholz angetroffene Maschine (Werknummer 138) steht im übrigen zum Verkauf.

Bei diesem Flugzeug hat es mal wieder richtig Spaß gemacht das Internet nach Informationen zu durchstöbern. Ich hoffe das es beim Lesen und Betrachten der Bilder ein wenig rüber kommt. Was ich auch noch recht cool finde, ist der Paint Selector auf der Quest Homepage. Dort kann man sich seine eigene Kodiak basteln und dann als Wallpaper herunterladen. Ich habe mich mal an einer Deutschland-Inspirierten Lackierung versucht 😉

 

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